Die menschliche Figur ist das beherrschende Thema in den Werken von Gérard Walther. Daneben die menschlichen Abgründe und deren Wirkung nach außen. Die menschliche Figur ist aber auch das Generalthema überhaupt der bildenden Kunst, und so steht der Maler Gérard Walther denn auch in einer endlosen Kette von anderen Malern und Bildhauern, die sich dem Thema immer wieder auf unterschiedlichste Weise nähern und genähert haben. Die abgebildeten Figuren in den Werken Walthers sind zeitlose Gestalten, ohne Anfang und Ende, ihre Existenz reicht einerseits bis weit in die Vergangenheit, andererseits verweisen sie immer wieder auf die Zukunft. Walthers Menschen sind ohne jede Individualität, ja Identität. Sie haben keine Physiognomien, kein eindeutig auszumachendes Geschlecht, nicht einmal fest umrissene Konturen.Im Verwischen der menschlichen Konturen schwanken die Bilder zwischen Figuration und auflösender Abstraktion.

Die Kunstkritik hat ihn zurecht als „Seismographen unserer Zeit“ bezeichnet. Seine Werke sind überdauernd, dennoch tragen sie das Stigma unserer Zeit. Die Farbigkeit der Bilder zum Beispiel suggeriert häufig einen drohenden Zerfall. Der Eindruck der Vergänglichkeit wiederum wird verstärkt durch die Collagetechnik, dem für Gérard Walther typischen Gestaltungsprinzip. Beim Multitechniker Walther wird vor allem aber eine ungeheure Kraft des Malens spürbar, der sich schwerlich zu entziehen ist. Nachvollziehbar die heftigen Prozesse, in denen Walther sich seinen Figuren nähert: malen, zeichnen, übermalen, Strukturen und Tiefe gewinnen, etwa mit Wellpappe, die zum Teil aufgebrochen gleichsam das vielschichtige Seelenleben des Menschen versinnbildlicht. Übergang ins Collagieren, eingearbeitete Kleiderstoffe erinnern an zerschlissene Schönheit. Wie Rudimente eines nicht mehr möglichen Alltags sind Wortfetzen, Zeitungsausrisse zu lesen oder klebt sein übrig gebliebener Handschuh auf dem Bild. Walther hat einige Arbeiten ausgestellt, deren asymmetrisch laufende Ränder aussehen, als hätte der Maler seine Arbeiten rettend dem Feuer entrissen. Konsequenter noch wirken die Objektkästen. Bleiben die Bilder noch bei aller Kompromisslosigkeit ansprechend, weil zum Mitdenken und Nachfühlen auffordernd, so sind die Objektkästen nicht selten installierte Konfrontation.

Gérard Walther ist Franzose, mit hanseatisch-deutschem Wohnsitz in Hamburg; und das seit seinem halben Leben. Geboren wurde er 1943 im südfranzösischen Carcassonne. Studiert hat er seit 1961 an der Ecole Nationale des Beaux-Arts im burgundischen Dijon. In den Jahren 1970 bis 1974 war er schließlich an der namhaften Kunstschule Alsterdamm in Hamburg eingeschrieben, um sich als Grafiker ausbilden zu lassen. Den Grafik-Beruf hat Walther dann auch jahrelang in Hamburg ausgeübt. Seit vielen Jahren lebt er nun dort schon als freier Künstler und Dozent. Und das sehr erfolgreich, wenn man auf die Kunstkritiken und die lange Liste seiner Ausstellungen blickt.

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